Biographie

Lotte Profohs  war eine österreichische Künstlerin, sie wurde am 16. November 1934 als Lieselotte Cäcilie Profohs in Wien geboren.
Profohs studierte mit 15 Jahren (1949) an der Akademie für angewandte Kunst, wo sie auch ihren späteren Mann Helmut Leherbauer, (Maître) Leherb, kennen lernte.
 
Sie bezeichnete sich selbst stets als Expressionistin mit feministischen Zügen.
Profohs war bereits Anfang der 1950er Jahre als Grafikerin und Malerin international anerkannt; ihre Arbeiten wurden von renommierten Museen (Louvre) und Sammlungen angekauft. Respektierung ihrer Person als Frau und ebenso die Anerkennung für ihr Werk waren.
Im Jahr 2018 wurde in Wien Donaustadt (22. Bezirk) der Lotte-Profohs-Weg nach ihr benannt.

Werk
Profohs schuf unzählige Werke, die meisten haben einen sozialkritischen Hintergrund und sind schwarz-weiß gestaltet. Profohs beschäftigte sich mit Menschen am Rande der Gesellschaft und mit feministischen Themen, die sich v. a. nach einer Begegnung mit Simone de Beauvoir verstärken sollten. Ihre Werke wurden auch in die Sammlung des Verbunds der Feministischen Avantgarde aufgenommen.

Ausgegrenzte und Frauen im Werk
Im Jahr 1957 las Lotte Profohs die deutsche Erstausgabe des Romans „Pitié pour les Femmes“ von Henry de Montherlant (1895–1972). Das unter dem Titel „Erbarmen mit den Frauen“ erschiene Werk wurde unter anderem auch von Simone de Beauvoir heftig kritisiert, da es viele frauenfeindliche Aussagen enthält.
Das Gelesene beschäftigte und empörte Lotte Profohs sehr, sie schuf mehr als 200 Zeichnungen zu diesem Themenkomplex. Abtreibung, Homosexualität, Isolation, Einsamkeit und sexualisierte Gewalt standen im Mittelpunkt ihres Werkes.
Sie sind als Replik auf den Roman zu verstehen, der Zyklus wurde jedoch leicht umbenannt. Aus dem „Erbarmen mit den Frauen“ wurde schließlich eine Aufforderung: „Erbarmt euch der Frauen“! Das Buch mit einer Auflage von 2500 Stück wurde bewusst sehr schlicht gestaltet, um nicht von den Bildern und ihrer Botschaft abzulenken.
Frauenthemen waren zu dieser Zeit nicht gefragt und wurden auch kaum besprochen, die Unterdrückung der Frau war Teil des Alltags.
Verlassene und einsame Menschen wurden von der Gesellschaft ausgeblendet, Frauen und Sexualität, v.a. die Sexualität der Frauen, waren Tabuthemen, die aufgebrochen wurden.
Profohs versuchte, Frauen in ihren Nöten und in ihrer Existenz sichtbar zu machen. Die Zeichnungen von Lotte Profohs entstanden ohne Vorzeichnungen, spontan, die Idee entwickelte sich mit jedem Strich.

Ausgrenzung und Entgrenzung kolonialisierter Körper
Profohs beschäftigte sich in ihrer letzten Ausstellung (1989) zu Lebzeiten mit dem Titel „Emigranten der Zeit“ mit den Ungewollten, den Vetriebenen und Ausgegrenzten.